|
||||||||||||||||||||||
|
Vorläufer der Würmtaler Gedenkzüge | ||||||||||||||||||||||
|
Auslöser, Entscheidungsträger, Initiatoren und buchstäblich Vorläufer der Würmtaler Gedenkzüge waren ein forschungsfähiger und zeitkritischer Gautinger Gymnasiast, geschichtsbewusste Kommunalpoliker in Gauting und benachbarten Gemeinden und vor allem viele engagierte Bürgerinnen und Bürger jeden Alters in vielen Gemeinden entlang der Strecke des "Todesmarsches von Dachau" zwischen Allach und Aufkirchen. Schrittmacher der Würmtaler Gedenkzüge
Mahnmale mobilisieren das Gewissen Nach diesem aufrüttelndem Auftakt wurde es an der Bürgerfront zunächst wieder ruhig, bis im Jahre 1989 die ersten acht der mittlerweile insgesamt 21 Pilgrim-Mahnmale an der Strecke des "Todesmarsches von Dachau" errichtet waren: in den vier Würmtal-Gemeinden Gauting, Gräfelfing, Krailling und Planegg, in den Münchner Stadtteilen Allach und Pasing sowie in Aufkirchen (Gem. Berg) und Wolfratshausen. Die Mahnmale mobilisierten die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen und das moralische Verantwortungsbewusstsein vieler Bürger - nicht nur zum Thema "Todesmarsch von Dachau". Vorhut: Schüler aus Gauting Am 9. November 1992 demonstrierte die Schülerschaft des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums ihre Bereitschaft und Fähigkeit zum Erinnern und Gedenken. Unter dem Motto "Gautinger demonstrieren gegen Ausländerfeindlichkeit" zogen sie von ihrer Schule bis zum Gautinger Todesmarsch-Mahnmal. Förderer dieser mustergültigen Schülerinitiative war Joachim Stumpf, Stellvertretender Rektor des Otto-von-Taube-Gymnasiums und seit 1998, also von Anfang an, aktives Mitglied unserer Bürgerinitiative. Im April des Jahres 1995, zum 50. Gedenktag an den "Todesmarsch von Dachau", organisierten Bürger und Schüler mehrerer Orte Gedenkzüge: in München-Allach, in Berg und in Starnberg. Katholiken in Allach Am Abend des 26. April 1995 - genau zur Zeit des Vorbeizugs der Häftlinge vor 50. Jahren - fand In München-Allach eine Gedenkveranstaltung der Katholischen Arbeiterbewegung (KAB) statt. Allach, südlich von Dachau gelegen, war der erste Orte an der Strecke des Marsches vom April 1945. Hier organisierte die KAB München-Allach mit dem KAB-Stadtkreis München-West zwei Gedenkveranstaltungen: Evangelische und katholische Christen am Starnberger See Am 26. und 27. April 1945 organisierten Einwohner der Gemeinde Berg am Ostufer des Starnberger Sees, wo der Dachauer Todesmarsch am Abend des 27. April 1945 in eine "nördliche" und eine "südliche" Marschgruppe geteilt wurde, mit engagierten Bürgern aus Nachbargemeinden drei hervorragende Gedenkaktionen.
Mit Fackeln von Gauting nach Planegg Am 9. November 1997 organisierten Schüler des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums einen Gedenkzug von Mahnmal zu Mahnmal in umgekehrter Richtung und in Erinnerung an ein anderes Nazi-Verbrechen als den "Todesmarsch von Dachau". Zum Gedenken an die "Reichskristallnacht" vom 9./10. November 1938 hielten sie vor dem Gautinger Mahnmal eine Feier ab, auf der Dr. Ekkehard Knobloch, 1. Bürgermeister der Gemeinde und Protagonist für die Errichtung der Denkmäler von Hubertus von Pilgrim, eine Rede hielt. Dann gingen sie mit Fackeln über Krailling bis Planegg, wo sie - zusammen mit Schülern des dortigen Feodor-Lynen-Gamnasiums - eine Abschlussfeier hielten. Vor dem Planegger Mahnmal lasen die Gymnasiasten Anita Kumar und Philipp Wünscher aus Erich Kästners "Die Nacht der Scherben" und aus dem Buch "Das andere Leben", verfasst von Solly Ganor, einem Überlebenden der Todesmärsche von Utting nach Dachau und von Dachau nach Waakirchen. Auch diese Gedenkveranstaltung Gautinger und anderer Würmtaler Schüler war von Hans Joachim Stumpf, Konrektor am Gautinger Gymnasium initiiert worden. vom Leuchtzeichen für die Würmtaler Bürgerinitiative Der Fackelzug vom Gautinger zum Planegger Mahnmal war der Auslöser für die Gründung der "Würmtaler Bürgerinitiative zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau", deren Ziel es sein sollte, an den historischen Tagen alljährlich Gedenkzüge entlang der Würmtaler Mahnmale zu organisieren. Friedrich Schreiber, Ende Februar 1997 von seiner neunjährigen Korrespondententätigkeit in Tel Aviv nach Gräfelfing zurückgekehrt, las darüber in der Lokalpresse. Ohne Kenntnis der vorgehenden Gedenkaktivitäten zwischen Allach und Aufkirchen überlegte er: Warum am 9. November entlang der Todesmarsch-Mahnmalewegen eines anderen Nazi-Verbrechens einen Gedenkzug organisieren? Warum nicht in den letzten Apriltagen zur Erinnerung an den Elendszug der Dachauer KZ-Häftlinge, die in der Nacht vom 26./27. April 1945 durch die Würmtaler Gemeinden Gräfelfing, Planegg, Krailling und Gauting marschieren mussten? Eine erste Kenntnis von den Mahnmalen erhielt er nicht in seiner Würmtaler Heimat, sondern in Jerusalem, als dort im November 1992 eine Kopie des von Professor Hubert von Pilgrim geschaffenen Todesmarsch-Mahnmals in der israelischen Holokaust-Gedenkstätte Jad Vaschem feierlich eingeweiht wurde. Er filmte dieses Ereignis als Fernseh-Korrespondent der ARD - für ihn ein doppelt bewegendes Ereignis, denn neben Überlebenden des Todesmarsches und israelischen Honoratioren nahmen die Bürgermeister der Würmtal-Gemeinden Gauting, Gräfelfing, Krailling und Planegg, der Landrat des Landkreises München und die Leiterin der KZ Gedenkstätte Dachau, Frau Dr. Barbara Distel, an der eindrucksvollen Feier teil. Die Teilnahme an der Jerusalemer Einweihungsfeier hatten unmittelbare Folgen. Friedrich Schreiber plante eine Fernsehdokumentation über den "Todesmarsch von Dachau", für die er mit Stefan Meining nicht nur seltenes Archiv-Material und örtliche Zeitzeugen suchte, sondern vor allem Solly Ganor und Zwi Katz, beide Überlebende des "Todesmarsches von Dachau", über ihre Erlebnisse ausführlich interviewte. Mit den israelischen Überlebenden flog er im April 1995 anlässlich des 40. Jahrestags der Befreiung nach Deutschland. Dort bildeten zwei ergreifende Szenen den Anfang und das Ende der Dokumentation: am Anfang der Besuch der israelischen Gäste auf dem jüdischen Friedhof in Gauting, den der Gautinger Gymnasiast Matthias Hornstein mit deiner Facharbeit ins Blickfeld gerückt hatte, und am Ende - nach einer Busfahrt auf den Spuren des "Todesmarsches von Dachau" - das Totengebet der ehemaligen KZ-Häftlinge im "Schopfloch", einem Waldstück zwischen den Dörfern Reichersbeuern und Waakirchen, wo die Überlebenden am Morgen des 2. Mai 1945 die frische Luft der Freiheit atmen konnten. Gedenkzüge auf den Spuren der Vorläufer Die geschilderten Ereignisse und Erlebnisse im November 1992, im April 1995 und im November 1997 führten kurz nach letzterem Eindruck zu der Idee und zu dem Entschluss, alljährlich entlang der Würmtaler Mahnmale einen Gedenkzug zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau zu veranstalten. Es war eine unentbehrliche Hilfe und bis heute ein großer Gewinn, dass Hans Joachim Stumpf und Christian Schulz, die als Lehrer des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums bzw. des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums ihre Schülerinnen und Schüler schon in der beschriebenen Vorphase für Gedenkarbeit gewonnen hatten, die im April 1998 gegründete Bürgerinitiative mit ihren wertvollen Erfahrung tatkräftig unterstützten. Heute tun beide dies als stelvvertretende Vorsitzende unseres Vereins "Gedenken im Würmtal". Sie verkörpern die Kontinuität zwischen "Vorläufern", Gegenwart und Zukunft. Unter der Überschrift "Vorläufer" verdienen selbstverständlich auch die Gedenkfeiern Beachtung, die vor 1998 - abseits vom Würmtal - im Zusammenhang mit der Errichtung von 16 Mahnmalen an anderen Strecken des "Todesmarsches von Dachau" veranstaltet wurden - von Landsberg und Fürstenfeldbruck über Grünweald, Geretsried und Dorfen bis Bad Tölz und Waakirchen. Besonders hingewiesen sei auf die beiden Mahnmale in Landsberg, Petersbrunn (Starnberg) und Schwabhausen, die nicht von Professor Hubertus von Pilgrim, sondern von anderen Bildhauern gestaltet wurden. Ob Gautinger oder Planegger Schülerinnen und Schüler, ob Allacher oder Starnberger Bürgerinnen und Bürger, ob bekannt oder unbekannt - alle unsere Vorgänger wiesen uns den Weg der Erinnerung und des Gedenkens.
|