Überblick - Gedenkzüge zur Erinnerung an die Todesmärsche von Dachau

Der moralische und politische Gedanke, Gedenkzüge zur Erinnerung an den "Todesmarsch von Dachau" vom 26. April 1945 entlang der historischen Strecke Gedenkzüge zu veranstalten, wurde an einigen Orten entlang der Landstraße von Dachau durch das Würmtal bis zum Starnberger See und dann weiter in Richtung Loisachtal, schon sehr früh von einzelnen Gemeinden in die Tat umgesetzt – schon vor der Er-richtung der Mahnmale zur Erinnerung an den Todesmarsch, die im Jahre 1989 von den vier Würmtal-Gemeinden Gauting, Gräfelfing, Krailling und Planegg aufgestellt wurden - am Rande der alten Landstraße, über die in der Nacht vom 26. zum 27. April 1945 über 8000 KZ-Häftlinge in Richtung Süden getrie-ben wurden. Bürgerinnen und Bürger von Allach und Berg, von Gauting und Planegg begründeten diese Tradition. Wir berichten über diese Pionierleistungen unter dem Stichwort "Vorläufer".

Das derzeitige Projekt "Gedenkzüge zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau" entstand Ende 1997 als Reaktion auf einen Gedenkmarsch Gautinger, Kraillinger und Planegger Gymnasiasten, den diese am 9. November 1997 zur Erinnerung an die "Reichskristallnacht" vom Gautinger Mahnmal bis zum Planegger Mahnmal organisierten. Diese Initiative führte zu der Überlegung: Warum nicht ein Gedenkzug zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau an den historischen und entlang der authentischen Strecke, an dem diese Mahnmale stehen. Der Überlegung folgte sehr rasch die Tat.

Am 1. Mai 1998 organisierte ein Kreis von Bürgerinnen und Bürger, in dem Lehrer und Schüler der drei Würmtal-Gymnasien vertreten waren, den ersten Gedenkzug von Gräfelfing über Planegg und Krailling nach Gauting. Er führte über dieselbe Straße, über die in der Nacht vom 26. auf den 27. April 1945 über 7000 KZ-Häftlinge in Richtung Süden getrieben wurden. An allen vier Mahnmalen wurden kurze Gedenk-feiern gehalten. Schülerinnen und Schüler der Würmtal-Gymnasien sprachen eigene Texte. Weit über hundert Bürgerinnen und Bürger nahmen am Gedenkzug 1998 teil.

Der ermunternde Anfangserfolg von 1998 führte nicht nur zur Gründung einer Bürgerinitiative aus dem Kreis der Organisatoren. Er ermunterte die Initiatoren im Jahre 1999, mit aktiver Unterstützung engagier-ter Persönlichkeiten aus anderen Orten entlang der Todesmarsch-Strecke (Ernst Holthaus aus Grünwald und Elisabeth Voigt aus Bad Tölz) neun Gedenkzüge zu organisieren: sieben auf der historischen Strecke zwischen Dachau und Waakirchen und auch zwei Gedenkveranstaltungen in Kaufering und Landsberg sowie Mühldorf und Ampfing, den Orten gigantischer Außenkommandos des KZs Dachau, deren Häftlin-ge ebenfalls auf Todesmärschen und mit Todeszügen in Richtung Süden "evakuiert" wurden. Über den Gedenkzug 1999 berichten wir wegen der vielseitigen Erfahrungen besonders ausführlich. Zu den mittei-lenswerten Erfahrungen gehören auch die "Mustertexte" von 1998, 1999 und 2005, die wir zur Ermunte-rung anderer Bürgerinitiativen verfassten.

Über die folgenden Gedenkzüge 2000 bis 2007 berichten wir unter einem Sammelkapitel. Darin sind je-weils Informationen, Plakate, Fotos und Presseartikel enthalten. Herausragend ist der Gedenkzug von 2005, an dem zwischen 450 und 500 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen, darunter etwa 70 Gäste aus Israel - Überlebende des Todesmarsches mit ihren Kindern und Enkeln.

Auf "Aktuelles", das Gedenkzüge und andere Formen des Erinnerns an die Todesmärsche von Dachau betrifft, weisen wir kompakt auf der Startseite hin, so z.B. auf neue Forschungsergebnisse, neue Koope-rationen mit anderen Gemeinden, Zusammenarbeit mit Schülern und Studenten, die durch unsere Inter-netseite zu Facharbeiten ermuntert wurden, oder auf künftige Planungen.

Der Verein "Gedenken im Würmtal" wurde am 20. März 2007 in Planegg gegründet - kurz nach der 10-Jahres-Feier für den zehnten Gedenkzug, den die im Jahre 1997 gegründete "Würmtaler Bürgerinitiative zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau" alljährlich auf der historischen Strecke des "Todesmar-sches von Dachau" veranstaltete. Der gemeinnützige Verein "Gedenken im Würmtal" wurde von den Mit-gliedern dieser Bürgerinitiative gegründet, um ihrer Gedenkarbeit eine festere und kontinuierliche Grund-lage zu geben. Dabei waren wir uns von Anfang an bewusst, dass wir eine Tradition fortsetzen und ver-stärken, die andere Bürgerinnen und Bürger in den Gemeinden des Würmtals und anderswo begonnen haben.

"Denkmale lebendig machen"

Ausgangsort, Zwischenetappen und Zielort dieser Gedenkzüge waren die vier Mahnmale zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau, die die vier Würmtal-Gemeinden im Jahre 1989 gemeinsam errichte-ten und die mittlerweile an allen Orten zwischen Dachau und Waakirchen, dem Ort der Befreiung, bei-spielhaft aufgestellt wurden. Bei jedem Gedenkzug halten wir vor jedem Mahnmal eine kurz Gedenkfeier. Deshalb lautet ein Motto unserer Gedenkzüge: "Denkmale lebendig machen."

"Den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben"

Die Würmtaler Bürgerinitiative versuchte von Anfang an, die junge und die ältere Generation durch eine intensive Zusammenarbeit mit den Schulen, den Kirchen und der jüdischen Gemeinde des Würmtals zu mobilisieren. Dies ist uns gelungen. Deshalb lautet unser zweites Motto: "Den Stab der Erin-nerung an die Jugend weitergeben." Kooperation mit dem Freistaat

In unserer Gedenkarbeit wurden wir nicht nur durch die vier Würmtal-Gemeinden unterstützt, sondern seit 2006 auch durch die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, die unsere vielseitigen Initi-ativen als Kooperationspartner unterstützt. Im Jahre 1999, als wir das Großprojekt von neun Gedenkmär-schen realisierten, unterstützte uns sogar der Bayerische Ministerpräsident und der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München.

Unser erster Versuch, unseren Initiativen und Kooperationen mit vielen Gemeinden entlang der Todes-marsch-Strecke, die über Mahnmale und aktive Bürgerinitiativen verfügen, durch ein kommunales Ge-meinschaftswerk eine starke und nachhaltige Plattform zu verleihen, scheiterte am Veto einzelner Ge-meinden. Deshalb haben Mitglieder der Würmtaler Bürgerinitiative und engagierte Teilnehmer unserer Gedenkzüge im Jahre 2007 mit eigener Kraft den Verein "Gedenken im Würmtal" gegründet.

"Konkrete Erinnerung am konkreten Ort"

Die Würmtaler Gedenkarbeit wird auch inspiriert von einem Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog vom 27. Januar 1999 anlässlich der Einweihung des Deutschen Gedenktages für die Op-fer des Nationalsozialismus: "Über das ganze Land müssen wir noch mehr Orte der konkreten, histori-schen Erinnerung haben. Durch die konkrete Erinnerung am konkreten Ort wird die den späteren Genera-tionen fremder werdende Geschichte als tatsächliche Realität greifbar."