Kinderchor in Planegg

Auch 2006: Kinder der Jugendmusikschule Krailling-Planegg machen mit

Im letzten Jahr überraschten wir die Würmtaler Bürgerschaft bei unserem Gedenkzug mit einem Novum: Kinder der Jugendmusikschule Krailling-Planegg wirkten an unseren Gedenkfeiern vor den Mahnmalen mit. Schulleiter Schaffert studierte mit seinen Schülern Psalmen und geistliche Lieder ein.

Vor dem Mahnmal in Gräfelfing sangen die Kinder aus Krailling und Planegg in hebräischer Sprache. Vor dem Mahnmal in Planegg intonierten die begabten Kinder der beiden Würmtalgemeinden ein Lied in jiddischer Sprache. Unsere Gäste aus Israel waren über diese musikalische Geste gerührt. Sie sangen in der Sprache ihrer eigenen Kindheit zusammen mit den heutigen Kindern aus dem Würmtal.

Für den Gedenkzug 2006 studiert Schulleiter Schaffert einen Hymnus auf Jerusalem ein - diesmal in deutscher Sprache

Schüler sprechen an den Mahnmalen - 2006

Wie alle Jahre: Mitwirkung der Würmtaler Schülerschaft am Gedenkzug

Seit unserem ersten Gedenkzug im April 1998 bitten wir die Schülerinnen und Schüler der drei Würmtaler Gymnasien, unser Projekt aktiv zu unterstützen. Was erwarten wir?

  • Die Mitglieder der Schülermitverwaltung wirken in unserer Bürgerinitiative gleichgberechtigt mit
  • Die Schülermitverwaltungen organisieren die Plakatwerbung an ihren Schulen
  • Die Schülermittverwaltung wählen eine Schülerin oder einen Schüler aus, der Gedenkworte vor dem Mahnmal seiner Gemeinde spricht

Folgende Schüler wirken in diesem Jahr an der Organisation des Gedenkzugs mit:

  • Kurt-Huber-Gymnasium Gräfelfing: Lea Kosch, Jonathan Noé, Nora Stratmann
  • Feodor-Lynen-Gymnasium Planegg: Ludwig Heinle, Viola Kemmer, Lukas Neudert
  • Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting: Clara Wesle

Fotos - Gedenkzug 2006

Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal
Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal
Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal Erinnern - Gedenkzug 2006 im Würmtal

Planungssitzung 2006

Planungssitzung der Würmtaler für den Gedenkzug 2006: Gedenkzug am 29. April 2006

  1. Nach dem großen Erfolg von 2005; Ein Gedenkzug auch im Jahr 2006?
  2. Tradition muss lebendig bleiben: deshalb Beschluss neunter Gedenkzug in neun Jahren
  3. Termin: 29. April 2006 - Start um 13.30 Uhr am Parkplatz Megamarkt in Lochham - Wieder Gedenkminuten an den vier Mahnmalen Gräfelfing, Planegg, Krailling und Gauting
  4. Pfarrerin Christina Samhammer informiert evangelische und katholische Pfarreien und organisiert Totengebete an den Mahnmalen.
  5. Lehrer Christian Schulz (Feodor Lynen-Gymnasium) informiert Schulen und mobilisiert FEO
  6. Lehrer Hans-Joachim Stumpf (Otto-von-Taube-Gymnasium) informiert Gemeinden und Landratsämter, mobilisiert OTG und organisiert Begleitbus
  7. Lehrer Bürkle, Schulz und Stumpf laden Schülerselbstverwaltungen von KHG, FLG und OTG ein
  8. Sprecher Friedrich Schreiber lädt Bürgermeister ein, informiert Polizei und Malteser, organisiert Plakatierung, Presse und Finanzierung
  9. Kinder der Jugendmusikschule Krailling-Planegg singen an den Mahnmalen

29. April 2006: Der 9. Gedenkzug durchs Würmtal

Trotz Regen und Kälte: Hunderte von Bürgern auf den Spuren der Häftlinge

Ankunft des Gedenkzugs beim Gräfelfinger Mahnmal

Einer der ersten Würmtaler Bürger, die sich an diesem kalten und verregneten 29. April am Gräfelfinger Startplatz des Gedenkzuges einfanden, ist kein einfacher Teilnehmer. Christoph Göbel kommt mit der Amtskette des Gräfelfinger Bürgermeisters. Er begleitet den Gedenkzug, seit ihn die Gemeinde zu ihrem kommunalpolitischen Repräsentanten gewählt hat. Diesmal wird er bis zum Ende des Gedenkzugs in Gauting mitmarschieren - nicht wie üblich im frühlingshaften Trachtenanzug, sondern mit Regenschirm und Wollmantel, gut gerüstet gegen die Unbilden der Natur.

Auftakt in Gräfelfing: Mit dem Freistaat als Kooperationspartner

BI-Sprecher Friedrich Schreiber bittet Bürgermeister Göbel um ein Begrüßungswort, Ralf Deja um ein Totengebet, Nora Stratmann um eine Würdigung von Verfolgung und Widerstand während der Naziherrschaft

Friedrich Schreiber, Initiator des Würmtaler Gedenkzugs und Sprecher der Bürgerinitiative, verkündet den zahlreichen Teilnehmern, dass sie diesmal sozusagen Schulter an Schulter mit dem Freistaat Bayern marschieren. Denn die Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit habe der Würmtaler Bürgerinitiative angeboten "Kooperationspartner" dieses Gedenkprojektes zu sein. Das ist eine gute Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger aus dem Würmtal.

Traditionelles Ritual vor den Mahnmalen

Nora Stratmann, Sprecherin der Schülermitverwaltung des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium würdigt die Widerstandsgruppe

Nach einem Kilometer Marsch – vor dem Gräfelfinger Mahnmal zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau – macht der Gedenkzug Halt zu einem kurzen feierlichen Ritual. Die Gräfelfinger Gemeindegärtnerei haben die Erde vor dem Mahnmal mit bunten Frühlingsblumen bepflanzt; Sie bilden einen freundlichen Kontrast zur nasskalten Natur dieses Gedenktages. Bürgermeister Göbel spricht Worte der Besinnung, dankt der Bürgerinitiative für ihr Bemühen, "Denkmale lebendig zu machen". Er appelliert an die Älteren, die Erinnerung an das schreckliche Geschehen vor ihrer Haustüre an die Jüngern weiterzugeben - getreu dem zweiten Motto der Bürgerinitiative "Den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben".

Ralph Deja, Mitglied des Katholischen Friedensdienstes Pax Christi und der Würmtaler Bürgerinitiative, spricht ein Totengebet mit Worten, in denen Christen und Juden und auch Muslime ihre Glaubensinhalte wieder finden können. Dann folgt – wie bei jedem feierlichen Halt vor einem Mahnmal – die Stimme der Jugend. Nora Stratmann, Sprecherin der Schülermitverwaltung des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, rezitiert – dem Schirmherrn ihrer Schule gedenkend – das zweite Flugblatt der Münchner Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

In guter Obhut: Polizei und Malteser begleiten uns

Die Gräfelfinger Bürgerinnen und Bürger ziehen weiter nach Planegg, auf der Straße entlang der Würm, der historischen Strecke des Todesmarsches von Dachau. Die Polizei eskortiert den Zug, damit der Durchgangsverkehr von heute das Erinnern an das schreckliche Geschehen von gestern nicht gefährdet. Auch ein Wagen des Malteser Hilfsdienstes begleitet uns, um Teilnehmer, die trotz ihres Alters oder ihrer Gebrechen am Gedenkzug teilnehmen wollen, von Mahnmal zu Mahnmal zu befördern. Viele helfen mit auf dem Weg der guten Tat.

Planegg: Bürgermeister, Pfarrerin, Gymnasiast, Kinderchor

Vor dem Mahnmal der Nachbargemeinde Planegg warten Bürgermeister Dieter Friedmann und viele seiner Mitbürger auf den Gedenkzug. Auch er trägt seine Amtskette – und einen dicken Wollmantel, denn er wollte sich, nachdem er all die Jahre hier den Gedenkzug erwartete, von einer Grippe nicht abhalten lassen, die Bereitschaft seiner Bürgerschaft zum Erinnern und sein Engagement für das Gedenken zu bekunden. Nach ihm spricht Christine Samhammer, Pfarrerin der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Nachbarort Stockdorf, ein Totengebet. Sie und ihr Gatte, ebenfalls evangelischer Pfarrer, haben die Würmtaler Bürgerinitiative seit dem ersten Gedenkzug im Jahre 1998 unterstützt.

Dann hören wir die Stimmen der Jugend zum Gedenken. Lukas Neudert, Sprecher des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums, liest aus dem erschütternden Buch "Die Muselmänner". So nannten SS-Wächter die völlig geschwächten und kaum noch gehfähigen Häftlinge, die – wenn sie nicht im Krankenrevier einen gnädigen Tod fanden - zur "Sonderbehandlung" in die Gaskammern von Auschwitz abtransportiert wurden. Vor diesen Worten aus der Hölle der Nazidiktatur singen Kinder der Jugendmusikschule Krailling-Planegg und der Planegger Sankt-Elisabeth-Kirche zwei Kanons mit prophetischen Texten, die Chorleiter Thomas Schaffert mit ihnen einstudiert hat – erst "An den Wassern von Babylon", dann "Zu den Bergen heb’ ich meine Augen".

Vor dem Weitermarsch begrüßt Sprecher Friedrich Schreiber noch den Planegger Alt-Bürgermeister Günther Schuppler, einen der Pioniere, die 1989 den Beschluss der vier Würmtal-Gemeinden zur Errichtung des Todesmarsch-Mahnmals fassten, der auch im Jahre 1992 an der Einweihung des Todesmarsch-Mahnmals in der Jerusalemer Holokaust-Gedenkstätte Jad Vaschem teilnahm.

Krailling: Nach dem Bürgermeisterwort ein Psalm

Auch am dritten Mahnmal in Krailling wird der Gedenkzug von den politische Vertretern der Gemeinde würdig erwartet, von Bürgermeister Dieter Hager, seiner Stellvertreterin Eleonore Zwißler und Mitgliedern des Gemeinderats aus fast allen Parteien und Wählergruppen. Dieser Gedenkzug ist nicht nur überkonfessionell, sondern auch überparteilich, eigentlich "allparteilich", denn alle demokratischen Parteien plakatieren unseren Appell für den Gedenkzug.

Für die junge Generation spricht Benjamin Schwarz. Er ist zwar Schüler des Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasiums, aber er hat darum gebeten, in seiner Heimatgemeinde sprechen zu dürfen. Er liest aus dem Alten Testament: Psalm 27 – "Gemeinschaft mit Gott".

Durch Stockdorf, wo die Würmtaler Bürgerinitiative in der Evangelisch-Lutherischen Kirche, bei den "Samhammers", ihr geistiges und organisatorisches Zentrum hat, führt der Weg zur letzten Station des Gedenkzugs - nach Gauting.

Gauting: Lob für die Jugend, Freude über einen Überlebenden

Am Friedhof dieser "Pioniergemeinde" steht das erste Mahnmal, das im Jahre 1989 den Bürgerinnen und Bürgern des Würmtals den Weg des Gedenkens gewiesen hat. Bürgermeisterin Brigitte Servatius begrüßt die Bürger aus Gräfelfing, Planegg und Krailling, die sich durch das schlechte Wetter nicht davon abhalten ließen, bis Gauting zu marschieren. Sie bittet eine betagte Mitbürgerin, den Bericht einer Zeitzeugin vorzulesen, die das Elend der Häftlinge am Südende des Starnberger Sees erlebte. Nach ihr spricht der Gautinger Diakon Franz Xaver Schmidt ein katholisches Totengebet. Dann kommt– dem Würmtaler Gedenkritual entsprechend – die Jugend zu Wort. Carla Wesle, Schülerin des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums, trägt das Gedicht "Chor der Sterne" vor, das die jüdische Schriftstellerin Nelly Sachs verfasste.

Zum Abschied dankt Friedrich Schreiber den anwesenden Eltern, die die engagierten Jugendlichen an ihre moralisch-historische Verantwortung herangeführt haben, insbesondere den Müttern und Vätern von Clara Wesle, Nora Stratmann, Lukas Neudert und Benjamin Schwarz, von Anton Thomma und Martin Schmid, den jüngsten Mitgliedern unserer Bürgerinitiative und "Webmastern" unserer Internet-Seite.

Kurz vor dem letzten Aufbruch zum Gautinger Rathaus freuen sich die Teilnehmer über eine späte Ankunft. Altbürgermeister Ekkehard Knobloch, Initiator der Mahnmal-Initiative, hat Uri Chanoch nach seiner Ankunft aus Israel direkt zum Mahnmal gebracht. Der Präsident der "Vereinigung der Überlebenden der Außenlager Landsberg/Kaufering des KZ Dachau" sucht nach Worten, um seiner Rührung Ausdruck zu geben, spricht das "Kaddisch", das jüdische Totengebet, für seine toten Kameraden, wendet sich dann noch einmal mit bewegter Stimme an die Teilnehmer des Gedenkzuges: "Ihr, vor allem die Jüngeren unter Euch, werdet unser hier gedenken, wenn wir schon zu alt und gebrechlich sind, um noch zu Euch zu kommen. Es ist mir ein Trost zu wissen, dass Ihr uns und unsere Leiden nicht vergessen werdet."

Bitte an Uri, Frieda und Schlomo: Kommt wieder!

Uri hat erstmals seinen Sohn Schlomo und seine Tochter Frieda mit nach Deutschland und zu diesem Mahnmal gebracht. Er, der Überlebende, seine Nachkommen und die Gedenkenden aus dem Würmtal: Zwischen ihnen ist vor diesem Mahnmal – auch wenn niemand spricht – ein Geist des menschlichen Respekts und der Zuneigung zu spüren.

Die letzte Marschetappe unseres Gedenkzugs führt zum Gautinger Rathaus, führt vorbei an vielen Plakaten, die alle Parteien dieser Gemeinde für uns geklebt und aufgestellt haben. Im Rathaus, wo die Idee der Mahnmale geboren und verwirklicht wurde, herrscht zunächst eine andächtige, fast scheue Stille. Dann geben Altbürgermeister Knobloch, Uri Chanoch, seine Tochter und sein Sohn ihren Gedanken und Gefühlen spontan und vehement Ausdruck. In dieser brüderlichen Stimmung am Ort, wo das Symbol des Gedenkens, der Freundschaft und der Versöhnung geboren wurde, sagt Sprecher Friedrich Schreiber zum Abschied zu Schlomi und Friedi: "Wir bitten Euch, wieder zu uns zu kommen, damit unsere Jugend im Würmtal an diesem historischen Ort zusammen mit Euch der Leiden Eueres Vaters und seiner Kameraden gedenken kann."

Bei dieser Gedenkarbeit aus der Mitte unserer Gesellschaft, mit der wir die Brücke zu den Überlebenden und ihren Familien verstärken wollen, bauen wir auf die großherzige Kooperationspartnerschaft mit der zuständigen Institution des Freistaates Bayern: der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.