Gedenkworte - Bürgermeister - Planegg

Annemarie Detsch, 1. Bürgermeisterin der Gemeinde Planegg

3. Mai 2008: Gedenkrede vor dem Planegger Mahnmal

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Friedel Schreiber,

Denkmale lebendig machen, Konkrete Erinnerung am konkreten Ort, den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben – Ziele, die sich der Verein "Gedenken im Würmtal" gegeben hat.

Ich darf heute, noch ganz am Beginn meiner Amtszeit als erste Bürgermeisterin der Gemeinde Planegg, einige Worte an diesem Mahnmal an Sie richten.

Ein Denkmal, dieses Denkmal lebendig machen – das tun wir alle, indem wir an dieser Feierstunde teilnehmen und uns erinnern, aus welchem Grund dieses Denkmal errichtet wurde. Denkmal heißt – daran denken, was hier geschehen ist. Ein Mahnmal geht einen Schritt weiter – es will mahnen.

Wir stehen hier in Planegg an diesem Mahnmal, und ich bin dankbar, dass der Verein Gedenken im Würmtal es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Bewusstsein für das Elend, das die Menschen auch hier in unserer Gemeinde im Jahr 1945 erleiden mussten, alljährlich aufs Neue zu schaffen.

Konkrete Erinnerung am konkreten Ort – ich habe schon seit Beginn der Gedenkmärsche, an denen ich immer teilgenommen habe, immer wieder einmal mit meiner Mutter, sie lebt heute zweiundneunzigjährig im Waldsanatorium in Krailling, darüber gesprochen, wie sie selbst diesen Todesmarsch erlebt hat. Sie wohnte zu diesem Zeitpunkt in Planegg in der Germeringer Straße, und sie schilderte mir immer wieder diese Mischung aus einem unendlichen Mitleid für die Menschen, die auf diesem Weg unterwegs waren, wohl ahnend, was diesen Menschen widerfährt. Gleichzeitig einer großen Angst. Angst, auch nur aus dem Fenster zu schauen, weil man kaum wahrhaben wollte, was da abläuft, Angst aber auch davor, was passiert, wenn man da tatsächlich jemandem etwas gegeben hätte, was man nicht durfte.

Welch entsetzlicher Zwiespalt, in dem sich damals viele befanden. Heute stehen hier viele Menschen, die keine konkrete Erinnerung haben, auch keine Eltern oder Großeltern, die ein eigenes Erleben haben. Dennoch sind sie da – am konkreten Ort – und das macht Mut.

Was können wir tun, um auch jungen Menschen dieses Erleben von damals nahe zu bringen? Mein Dank gilt an dieser Stelle den Schülerinnen und Schülern und den Lehrerinnen und Lehrern, die durch ihr Engagement dafür Sorge tragen, dass auch über die Generation der Überlebenden hinweg weiter getragen wird, was nie wieder passieren darf. Unsere Demokratie trägt dazu ganz wesentlich bei. Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, das sind hohe Güter, die wir bewahren müssen. Diesen Zwiespalt zwischen Mitleid und Angst, den soll nie wieder jemand erleben müssen.

Auch die Tatsache, dass ich heute hier einige unserer französischen Gäste aus Meylan mit ihren Gastfamilien sehe, wird wieder ein Stück weiterhelfen auf dem Weg der Völkerverständigung, die für den Frieden so wichtig ist.

An dieser Stelle den Meylanern und ihren Gastfamilien erneut einen herzlichen Gruß – encore bienvenue à Planegg.

Mein ganz besonderer Dank geht aber an den Initiator, Organisator und unermüdlichen Ideengeber Friedrich Schreiber.

Durch die Vereinsgründung hast Du, lieber Friedel, das Gedenken im Würmtal auf eine sehr viel breitere Basis gestellt und damit dafür gesorgt, dass sicher auch in Zukunft die Menschen des Todesmarsches gedenken.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.