Katholische Gebete

Rudolf Leimböck, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats von St. Elisabeth Planegg

Gebet zum Gedenkzug "Todesmarsch von Dachau" am 03. Mai 2008

Herr,
laß das Böse geringer werden
und das Gute um so kräftiger sein.
Laß die Traurigkeit schwinden
und Freude um sich greifen.
Laß uns annehmen und geben können
und einander behilflich sein.
Laß die Missverständnisse aufhören
und die Enttäuschten Mut gewinnen.
Laß die Kranken Trost finden
und die Sterbenden deine Erbarmung.
Laß uns wohnen können auf Erden
und die Ernten gerecht verteilen.
Laß Frieden unter den Menschen sein,
Frieden im Herzen – rund um die Erde.

Guter Gott, den meisten von uns Teilnehmern an diesem Gedenkzug hast Du in Ihrem bisherigen Leben deine Hilfe gewährt.
Halte weiterhin deine schützende Hand über uns, damit auch wir einen Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit auf dieser Welt leisten können.       Christus, höre uns !

Wir bitten um Frieden, der mehr ist als das Schweigen der Waffen, u. bitten für unser Land und für die verfeindeten Völker in aller Welt .       Christus, höre uns !

Heute, am Tag des Gedenkzuges, bitten wir für die Opfer des Nationalsozialismus und der beiden Weltkriege und wir bitten für uns um die Kraft, alles in unserer Macht stehende zu tun, daß so etwas nie wieder möglich wird.       Christus, höre uns !

Allmächtiger Gott, wir bitten für unsere Gemeinde und alle, die sich in ihr engagieren. Laß sie zu einem Ort werden, an dem dein Geist spürbar wird.       Christus, höre uns !

So bitten wir dich, du Gott allen Lebens und aller Zeiten. Heile alle Wunden unseres Lebens, stehe uns auch in Zukunft bei und bewahre die Welt vor dem Verderben. Durch Jesus Christus, unseren Herrn, Amen.

Evangelische Gebete - Planegg

Sabine Baumgartner, Kirchenvorstand - Evangelische Waldkirche Planegg

Gebet am Mahnmal in Gräfelfing

Herr,
Gedenken wollen wir:
Der Menschen, die diesen Weg gehen mussten
nachdem man ihnen den Namen stahl,
nachdem man ihnen die Würde geraubt hatte,
nachdem ihnen aller Besitz genommen war,
nachdem man ihnen alle Rechte abgesprochen hatte,
nachdem man sie aus der Zusammengehörigkeit gerissen hatte.

Herr,
Wir bitten dich:
Lass uns nicht zerbrechen an dem Dunkel,
das sich vor uns auftut.
Lass uns gerade da zu dir rufen und schreien, wo du uns auf
schreckliche und unheimliche Weise verborgen bist.
Herr, unser Gott,
lehre uns diese einfache und doch so schwierige Menschlichkeit,
hilf uns allen, menschliche Menschen zu werden.
Amen.

Gebet am Mahnmal in Planegg

Lesung aus Psalm 142, 1-6

"Ich schreie zum HERRN mit meiner Stimme,
ich flehe zum HERRN mit meiner Stimme.
Ich schütte meine Klage vor ihm aus
und zeige an vor ihm meine Not.
Wenn mein Geist in Ängsten ist,
so nimmst du dich meiner an.
Sie legen mir Schlingen auf den Weg,
den ich gehe.

Schau zur Rechten und sieh:
Da will mich niemand kennen.
Ich kann nicht entfliehen,
niemand nimmt sich meiner an.
HERR, zu dir schreie ich und sage:
Du bist meine Zuversicht,
mein Teil im Lande der Lebendigen."

Heiliger und barmherziger Gott,
Wir haben Schuld auf uns geladen und versagt.
Wir rufen zu dir: Erbarme dich unser!
Bewahre uns in deiner Treue. Öffne uns die
Augen für die Kraft deiner Berufung.
Befreie uns durch deinen Geist.

Herr,
Leid kann nicht ungeschehen gemacht werden,
aber Beziehungen können wieder aufgebaut werden.
Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für Individuen,
und es ist die einzig mögliche Grundlage für Frieden.

Herr,
Wir bitten dich:
Hilf uns auf diesem Weg des Friedens.
Amen

Gedenkworte - Bürgermeister - Planegg

Annemarie Detsch, 1. Bürgermeisterin der Gemeinde Planegg

3. Mai 2008: Gedenkrede vor dem Planegger Mahnmal

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Friedel Schreiber,

Denkmale lebendig machen, Konkrete Erinnerung am konkreten Ort, den Stab der Erinnerung an die Jugend weitergeben – Ziele, die sich der Verein "Gedenken im Würmtal" gegeben hat.

Ich darf heute, noch ganz am Beginn meiner Amtszeit als erste Bürgermeisterin der Gemeinde Planegg, einige Worte an diesem Mahnmal an Sie richten.

Ein Denkmal, dieses Denkmal lebendig machen – das tun wir alle, indem wir an dieser Feierstunde teilnehmen und uns erinnern, aus welchem Grund dieses Denkmal errichtet wurde. Denkmal heißt – daran denken, was hier geschehen ist. Ein Mahnmal geht einen Schritt weiter – es will mahnen.

Wir stehen hier in Planegg an diesem Mahnmal, und ich bin dankbar, dass der Verein Gedenken im Würmtal es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Bewusstsein für das Elend, das die Menschen auch hier in unserer Gemeinde im Jahr 1945 erleiden mussten, alljährlich aufs Neue zu schaffen.

Konkrete Erinnerung am konkreten Ort – ich habe schon seit Beginn der Gedenkmärsche, an denen ich immer teilgenommen habe, immer wieder einmal mit meiner Mutter, sie lebt heute zweiundneunzigjährig im Waldsanatorium in Krailling, darüber gesprochen, wie sie selbst diesen Todesmarsch erlebt hat. Sie wohnte zu diesem Zeitpunkt in Planegg in der Germeringer Straße, und sie schilderte mir immer wieder diese Mischung aus einem unendlichen Mitleid für die Menschen, die auf diesem Weg unterwegs waren, wohl ahnend, was diesen Menschen widerfährt. Gleichzeitig einer großen Angst. Angst, auch nur aus dem Fenster zu schauen, weil man kaum wahrhaben wollte, was da abläuft, Angst aber auch davor, was passiert, wenn man da tatsächlich jemandem etwas gegeben hätte, was man nicht durfte.

Welch entsetzlicher Zwiespalt, in dem sich damals viele befanden. Heute stehen hier viele Menschen, die keine konkrete Erinnerung haben, auch keine Eltern oder Großeltern, die ein eigenes Erleben haben. Dennoch sind sie da – am konkreten Ort – und das macht Mut.

Was können wir tun, um auch jungen Menschen dieses Erleben von damals nahe zu bringen? Mein Dank gilt an dieser Stelle den Schülerinnen und Schülern und den Lehrerinnen und Lehrern, die durch ihr Engagement dafür Sorge tragen, dass auch über die Generation der Überlebenden hinweg weiter getragen wird, was nie wieder passieren darf. Unsere Demokratie trägt dazu ganz wesentlich bei. Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, das sind hohe Güter, die wir bewahren müssen. Diesen Zwiespalt zwischen Mitleid und Angst, den soll nie wieder jemand erleben müssen.

Auch die Tatsache, dass ich heute hier einige unserer französischen Gäste aus Meylan mit ihren Gastfamilien sehe, wird wieder ein Stück weiterhelfen auf dem Weg der Völkerverständigung, die für den Frieden so wichtig ist.

An dieser Stelle den Meylanern und ihren Gastfamilien erneut einen herzlichen Gruß – encore bienvenue à Planegg.

Mein ganz besonderer Dank geht aber an den Initiator, Organisator und unermüdlichen Ideengeber Friedrich Schreiber.

Durch die Vereinsgründung hast Du, lieber Friedel, das Gedenken im Würmtal auf eine sehr viel breitere Basis gestellt und damit dafür gesorgt, dass sicher auch in Zukunft die Menschen des Todesmarsches gedenken.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.

Evangelische Gebete - Gauting

Dr. Günter Riedner, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Christuskirche in Gauting

Gebet vor dem Todesmarsch-Mahnmal in Gauting

Herr, gedenke doch der Namen derer,
die gestorben sind,
und vergiss nicht, wie sie kamen:
Schritt vor Schritt, im Gegenwind,
übers Feld der langen Leiden,
durchs Gehölz der Einsamkeit,
sehnlich immer hoffend,
ihnen sei ein Vaterhaus bereit.

Herr, gedenke, wie sie lauschen,
wie sie im Verlies der nacht
Rufe mit der Leere tauschen,
ohne Anwalt, ohne Macht.
Du kannst in Gesichtern lesen:
Narben, Runzeln, bis ins Grab
schuldzerissne Menschenwesen.
Wisch doch Schuld und Tränen ab.

Lass die Toten mit dir leben,
nimm sie auf ins Paradies.
Herr, gedenke ihrer Namen.
Wenn Du richtest, sprich sie los.
Decke alle ihre Schmerzen,
birg ihr Haupt in Deinen Schoß.

Ach Gott, Du Liebhaber des Lebens,
Du Grund und Ziel und Sinn der Welt,
erleuchte unsere Welt mit Glaube und Liebe und Hoffnung,
und mach uns zu Deinen Lichtern in dieser Welt,
dass andere durch uns gewärmt und gestärkt werden.

Wir bitten um Kraft für die Liebe, um Kraft für Erbarmen,
um Kraft für Vergeben und Vergebung-Erbitten.
Wir bitten um Klarheit im Glauben,
um diese Gewissheit, getragen zu werden und tragen zu können.

Ach Gott, mütterlicher, väterlicher Grund,
Du hast uns fähig gemacht, mit Sehnsucht und Hoffnung und Gewissen zu leben.
Du hast uns berührt in unserer Seele.
Wir bitten Dich, öffne unsere Seelen, dass wir wieder Deine Sprache sprechen,
Deine Bilder träumen, Deine Verbundenheit leben,
Deine Hoffnung gestalten.

Ach Gott, wir wollen wahrnehmen alle Spuren von Himmel in unserem Leben,
dass wir einander Engel werden und Gefährten der Freude.
Wir bitten für alle, die in unermüdlicher Intensität das Werk der Versöhnung betreiben.
Wir bitten für die Menschen, die Stacheln aus den Seelen ziehen.

Für uns alle bitten wir mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsre Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Gedenkworte - Bürgermeister - Gräfelfing

Till Reichert, 3. Bürgermeister der Gemeinde Gräfelfing

3. Mai 2008: Gedenkrede vor dem Mahnmal Gräfelfing

1. Begrüßung

Am Ehrenmal Gräfelfings zur Erinnerung an den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Dachau, besonders: Uri Chanoch mit allen Gästen aus Israel und den Zeugen des grausamen Geschehens des Todesmarsches.

2. Wir gehen heute den Gang der Erinnerung

Es ist schwer sich in die Lage dieser Tage – im April 1945 - hineinzuversetzen. Sich vorzustellen, dass hier durch Gräfelfing zehntausende von Häftlingen des KZ Dachaus und seiner Außenlager in Richtung Alpen – ins Ungewisse getrieben wurden. Die Angst, der Schrecken, die ständige Wegbegleiter waren, sind für unsere Generation unvorstellbar.

3. Dank an alle,

die den Gedenkzug seit Jahren organisieren und begleiten, vor allem Dr. Friedrich Schreiber mit allen Helfern und Begleitern aus Kirchen, Schulen und Gesellschaft.

4. Der Gedenkzug führt uns vor Augen: Denkmale müssen lebendig werden

Die grausame Geschichte, von der wir alle in den Geschichtsbüchern lesen und in der Schule lernen, hat nicht fernab in einer anderen Welt stattgefunden. Sie hat sich hier ereignet, hier vor Ort, inmitten des Würmtals, im Herzen der Gemeinde Gräfelfing!

5. Einen Gang der Erinnerungen

gibt es als begehbares Denkmal auch im neuen jüdischen Zentrum "Ohel Jakob" am Jakobsplatz in München. Diesem Ort es Erinnerns sind auf der einen Seite die Namen aller 4.500 während des Naziregimes ermordeten Münchener Jüdinnen und Juden in einem Glasband eingeschrieben. Auf der anderen Wandseite begleiten gefräste Worte den Weg:
- erinnern, trauern, gedenken und mahnen
Wenn man den Weg weitergeht, erscheinen die Worte:
- lernen, versöhnen, sprechen und leben

6. Wir haben die Pflicht uns zu ERINNERN, um die Geschichte und ihr Unrecht zu wissen. Zu TRAUERN, zu GEDENKEN und zu MAHNEN.

7. Wir übernehmen als neue Generation die Verantwortung, die richtige Schlüsse aus der Geschichte zu ziehen, Hinzusehen und zu handeln, dazu sind wir aufgefordert.

8. Ich freue mich über die rege und aktive Teilnahme der Schüler und Jugendlichen an diesem Gedenkzug – Jahr für Jahr!

9. Ihr belegt, dass wir erinnern wollen, Denkmale lebendig machen wollen, auf unsere Geschichte aufmerksam machen wollen. Und wir bekommen Unterstützung – genau von denen, die mit guten Gründen fern bleiben könnten, für die es abermals Strapazen bedeutet, uns zu helfen, hier zu sein und zurückzukehren an den Ort, an dem ihnen so viel Leid widerfahren ist.

10. Wir danken Ihnen allen dafür.

Mit ihrer Teilnahme an diesem Gedenkzug zeigen Sie, dass es wie auf der Wand im Gang der Erinnerungen im Jüdischen Zentrum auch eine Perspektive gibt. Dass der Weg der Erinnerungen auch bedeutet, zu LERNEN, zu VERSÖHNEN, zu SPRECHEN und zu LEBEN.

11. Ist die Vergangenheit lebendig,

und handeln wir um sie wissend und vor ihrem Angesicht in der Gegenwart verantwortungsbewusst, dann hat die Zukunft eine Chance.