Projekt "Internetseite"

"Todesmarsch von Dachau - Erinnern, Forschen, Gedenken"

Neben unserem im Jahre 1998 begonnenen Kernprojekt, den Würmtaler Gedenkzüge zur Erinnerung an den Todesmarsch von Dachau, ist unsere Internet-Seite "Todesmarsch von Dachau - Erinnern, Forschen, Gedenken" (www.gz-tm-dachau.de) in allen Phasen von Verbesserung und Ergänzung nicht nur unser ältestes Projekt, sondern vor allem auch die bei weitem arbeits- und zeitaufwendigste Aktivität.

Eine sehr einfache Urfassung stand im Jahre 1999 schon im Internet. Im Jahre 2002 fiel die Entscheidung für eine sehr umfangreiche Neugestaltung. Nach einem langwierigen Prozess von Konzeption, Recherchen, Literaturstudium, Textentwürfen, Redaktion, Sammlung von Dokumenten und Fotos begann Ende 2005 sozusagen die "heiße Phase" der konkreten Gestaltung der Neufassung unserer Internetseite. Ende April 2006, rechtzeitig zum Gedenkzug 06 waren wir "online".

Neugestaltung mit welchen inhaltlichen Erweiterungen des Horizonts? Allein schon aus geographischen, aber auch aus vielen anderen sachlichen Gründen musste sie über den Radius der Kernthemen unserer frühen Jahre - Würmtaler Gedenkzüge und "Todesmarsch von Dachau" - hinausführen, hinausgehen musste. Um offene oder widersprüchliche Fragen über die unmittelbare Herkunft der Häftlinge des "Todesmarsches von Dachau" zu klären, mussten über die historische Strecke Dachau-Waakirchen hinaus Recherchen über die Todesmärsche und Todeszüge aus den großen Außenlagern des KZ-Komplexes Dachau in Landsberg/Kaufering sowie aus den kleineren Außenlagern in den KZs von Allach und im Osten Münchens angestellt werden, auch über die Ankunft von Todesmärschen und Todeszügen von den viel weiter entfernen KZ-Lagern Flossenbürg oder sogar Buchenwald, deren Häftlinge in den letzen Kriegswochen und -tagen vom Nazi-Regime nach Dachau "evakuiert" wurden. Das erforderte zeitgeschichtliches Studium authentischer Dokumente, vor allem im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau, aber auch in der neuesten wissenschaftlichen Literatur. Man kann nicht in der Google-Suchmaschine beim Eingeben des Begriffs "Todesmarsch von Dachau" auf Platz 1 und 2 stehen, wenn man nicht die Ansprüche der "Internet-Community" möglichst gut bedient und sich ihrer sachlichen Kritik aussetzt.

Nach den sehr einfachen Anfängen für eine Vorfassung vom Jahre 1999 arbeiteten wir seit genau 6 Jahren an Konzeption, Recherchen, Dokument- und Fotosuche, Redaktion und Gestaltung von rund 120 Dateien - inhaltlich und textlich seit April 2002, optisch und vor allem technisch gestalterisch seit Ende 2005. Am 29.12.2005 sagte einer der beiden engagierten und vor allem auch technisch und elektronisch versierten Partnern des Autors der Internetseite (Dr. Friedrich Schreiber): "Auf geht’s jetzt - und zwar ´mit voller Pulle`"

Dies ist also ein Projekt der Vergangenheit, der Gegenwart und es wird ein Arbeitsprogramm der Zukunft unserer gemeinsamen Gedenkaktivitäten bleiben, an dessen inhaltlicher Verbesserung und Ergänzung manchmal nur sporadisch, manchmal fast permanent gearbeitet wird.

Das Team

Alle drei Partner der Internetseite sind Würmtaler Bürger. Autor und verantwortlich zeichnend für die Internetseite ist der Gräfelfinger Dr. Friedrich Schreiber. Gestalterisch und technisch erstellt wurde sie durch den Kraillinger Anton Thomma, und jetzt Student der Bioinformatik an den Münchner Unis LMU und TU, tätig vorwiegend im Forschungszentrum von Planegg-Martinsried. Der Gautinger (genauer: Stockdorfer) Martin Schmid, ebenfalls ehemaliger Schüler des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums "Feo", absolviert ein deutsch-französisches Doppelstudium der Politischen Wissenschaft in Lille und Münster. Aus der Ferne wirkt er intensiv mit konzeptuellen, inhaltlichen und grafischen Hinweisen und Ratschlägen mit - das Internet macht’s möglich. Wenn er dann Ende April rechtzeitig zum Gedenkzug zurückkommt, schießt er davon sehr viele Fotos - mit die schönsten die wir haben, wie man auf unserer IS sehen kann.

Überprüfung der Archive und der historischen Forschung

Geographische Perspektive über Würmtal hinaus

Aus der originären und keineswegs naiven Fragestellung "Woher kamen die Häftlinge des sogenannten "Todesmarsches von Dachau" eigentlich?" mussten wir in die auf das Würmtal bezogene Betrachtung zwangsläufig Nachforschungen journalistischer und wissenschaftlicher Art durchführen (Befragung überlebender Häftlinge und örtlicher Zeitzeugen sowie Auswertung von Archiven), Recherchen, die über das Stammlager Dachau hinaus große Außenlager des KZ Dachau wie Landsberg/ Kaufering und Mühldorf einbeziehen, aber auch kleinere Außenlager wie Allach, München-Riem, München-Giesing und Ottobrunn.

Korrektur alliierter Hauptquellen durch KZ-Häftlinge des Todesmarsches

Es mussten alle wichtigen, einschlägigen Dokumente im Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau über die Außenlager untersucht werden. Mit Hilfe der dort archivierten ausführlichen und ausgezeichneten Berichte "reichsdeutscher" KZ-Häftlinge von 1945 erkannten wir nicht nur, dass in der Nacht vom 26./27.4.1945 zuerst ein Häftlingszug aus dem KZ Allach durch das Würmtal getrieben wurde, dann erst - vier Stunden später und mit anderem Ziel, der bekannte "Todesmarsch von Dachau". Die Allacher riefen bei der ersten Rast bei Leutstetten: "Die Dachauer kommen."

Mit diesen sehr authentischen, präzisen und auch übereinstimmenden Dokumenten von 1945 konnten wir auch geographische und zeitliche Fehler und Lücken in den beiden alliierten Hauptdokumenten von 1950 erkennen und korrigieren.

Informationen durch Überlebende der Kauferinger Lager und einen Zeitzeugen aus dem Würmtal.

Auf unseren Fragebogen an die "Vereinigung der Überlebenden der Außenlager Landsberg/Kaufering des KZ Dachau" erhielten wir überraschende Antworten von Häftlingen aus den Lagern Landsberg/Kaufering (z. B. Solly Ganor, Zwi Katz, Abba Naor). Sie erklärten im direkten Interview, dass sie in mindestens zwei Häftlingsmärschen abends im KZ Dachau ankamen, dort übernachteten, morgens verpflegt und neu eingekleidet wurden. Dann erst, lange nach Tagesanbruch und nicht Abends um 21 Uhr wie der "Todesmarsch von Dachau", mussten sie vom KZ Dachau in Richtung Würmtal abmarschierten.. Genau diese Zeitangabe - tagsüber und nicht nachts - bestätigte uns der Gräfelfinger Zeitzeuge Josef Schmidt: "Gegen Mittag zog der Elendzug an mir vorbei."

Recherchen über das "3. Lager" mit Zeitzeugen im Oberland

Beim kritischen Vergleich der Aussagen der beiden Hauptquellen von 1950 mit den authentischen Häftlingsberichten von 1945 stießen wir auf starke, vor allem geographische Widersprüche über eine angebliche Strecke im Oberland zwischen Königsdorf und Bad Tölz, die bei Ortskenntnis unmöglich erscheint. De Hauptquelle lassen die schon völlig erschöpften Häftlinge praktisch in einem Tag (!) und ohne Zwischenlager vom 2. Lager bei Achmühle und Bolzwang (südlich von Wolfratshausen!) über Eurasburg, Beuerberg, Königsdorf, Kirchbichl (!) über Bad Tölz bis ins letzte Lager bei Waakirchen durchmarschieren (keine Isarbrücke zwischen Königsdorf und Kirchbichl!). Die Berichte der deutschsprachigen Häftlinge dagegen beschreiben eindeutig und sehr plastisch ein nächtliches 3. Lager zwischen Königsdorf und Bad Tölz, das sie dramatisch "Teufelsschlucht" nannten, weil sie dort nächtens und in schneeiger Kälte ihre Exekution durch die SS-Wächter befürchteten.

Diese Informationen aus den Dokumenten führte im letzten Sommer in einem eigenen Forschungsprojekt "3. Lager" durch Befragungen aller Bauern der dortigen Weiler (Wolfsöd, Hinterrothenrain, Auf der Höh, Kellershof und Spiegel) uns zu einem klaren "Ziel". Die "Teufelschlucht" der Dachauer KZ-Häftlinge liegt genau zwischen den benachbarten Weilern Auf der Höh, Kellershof und Spiegel. Die Bauern nennen die vermeintliche "Teufelschlucht" schlicht "Buchenhölzl" oder nur "Bachgraben". Sie beschrieben das 3. Lager, erinnerten sich an die vielen "Feuerstellen", besitzen noch Utensilien der Häftlinge, zeigten uns Gräber, wo ihre Väter tote Häftlinge begraben mussten.

Auf den Spuren des ersten Fluchtversuchs von Zwi Katz

Die Aussagen des ehemaligen Bauern und heutigen Journalisten (SZ-Wackersberg) Wolfgang Breitwieser aus Spiegel, dessen Hof nur 100 Meter vom Eingang in den schluchtigen Waldgraben entfernt liegt, in dessen Scheune "SS-Männer übernachteten", neben der am Morgen des 1. Mai 1945 tote Häftlinge lagen, die die Breitwiesers begraben mussten - dieses Zeitzeugnis führte uns mehr als geographisch und faktenbezogen ins Zentrum unserer Recherche. Als wir diese Auskünfte unserem guten Freund Zwi Katz nach Israel telefonierten, offenbarte er tiefe Erregung. Zweimal hatte er nächtens einen Fluchtversuch gewagt - zuerst zwischen Königsdorf und irgendwo vor Bad Tölz, dann zwischen Reichersbeuern und Waakirchen, dem Ort seiner Befreiung. Die Abfolge seines ersten Fluchtversuchs beschreibt er in seinem ergreifenden Buch Von den Ufern der Memel ins Ungewisse auf den Seiten 138-141 in dramatischen und doch klaren Worten: "In der einfallenden Dunkelheit … in dichtem Schneegestöber... an Königsdorf vorbei … ein Gehöft zu sehen … komme an die Scheune ... Finsternis … zu meinem jähen Schrecken … hier nicht allein … Stahl-helme … deutsche Soldaten … verlasse die Scheune … zurück auf den Weg … Wäldchen … Wachtposten … ´Schnell, schnell hier rein`… Häftlingskolonne … hier zum Übernachten … Krallen der fürchterlichen SS … blindlings zurück in die Falle". Zwi Katz will, wenn er wieder gesund ist, Wolfgang Breitwieser besuchen. Für uns wird dies ein schöner Lohn unserer Nachforschungen - auch unserer Gedenkarbeit mit dem Internet.

Echo über Würmtal, Oberland, Bayern hinaus

Schüler, Studenten und Gedenkarbeiter

Durch die kommunikative Dynamik - Google macht’s möglich - erreichen uns zahlreiche Anfragen, hauptsächlich von Schülern, Studenten und Gedenkarbeitern (für Facharbeiten, Diplomarbeiten, Hinweise auf Zeitzeugen, Suche nach Quellen und Literatur, Überlebenden, der Rolle einzelner Orte),

Christen aus Hamburg

Rechtzeitig zum Gedenkzug 200 erfuhren wir von einer völlig unerwarteten Fernwirkung in Hamburg, beim "Ebenezer Hilfsfonds Deutschland". In den letzten zwei Jahren ging die christliche Gruppe "auf Fasten- und Gebetsreisen mit israelischen Jugendlichen nach Auschwitz und in weitere KZ-Lager (Sobibor, Treblinka etc.) bzw. Gedenkstätten". Vor einigen Wochen lasen sie unsere Internetseite "Todesmarsch von Dachau". Am 3. Mai kommen sie ins Würmtal, um am Gedenkzug von Gräfelfing bis Gauting teilzunehmen. Dabei werden sie israelische Überlebende der Todesmärsche aus Landsberg/Kaufering, Allach und Dachau kennenlernen, Besucher der Pioniergemeinde Gauting und unseres Gedenkzugs.

Würmtal worldwide?

Vom WWW-Dienstleister Google Analytics erhielten wir Hinweise auf die geographische Reichweite und die differenzierte Struktur des "Zugriffs" von USA über Frankreich und Großbritannien bis Estland. Seit wir vor einem Jahr online gingen, ermittelte Analytics z.B. folgende Zahlen, die uns ermutigen könnten, zumindest kleine Teil Element in englischer Sprache einzufügen.

  • 3.857 Besuche, 12978 Seitenzugriffe
  • Durch Suchmaschinen 58 %, Verweisende Websites 32 %, direkte Zugriffe 10 &.
  • Google 55%, Wikipedia 20%, direkt 10%, andere 7%.